Ankunft Jerantut Bahnhof: ungefähr zwei Uhr morgens. Wo bekommt man in dieser kleinen Stadt um diese Uhrzeit eine Unterkunft her? Wir wussten es auch nicht. Wir haben darauf vertraut, irgendwelche findigen Motelbesitzer am Bahnhof zu treffen, die von dem Auftauchen unwissender Touristen auf dem Weg in Richtung Urwald mitten in der Nacht gehört haben und zu leicht erhöhten Preisen o.ä. ein Zimmer vermieten.
Wir wurden nicht enttäuscht. Am Bahnhof sprachen uns zwei Jungs an, die uns ein Zimmer anboten und gleichzeitig ein Prospekt hervor zogen, auf dem unterschiedlichste Touren durch den Urwald beworben wurden. Ohne an eines dieser Angebote (außer natürlich die Fahrt nach Kuala Tahan, die uns schließlich bis an den Urwald bringen würde) gebunden zu sein, versprachen sie uns das Zimmer für umsonst. Da Kambodscha noch nicht solange zurücklag, haben wir MEHRMALS nachgefragt, ob wir das jetzt richtig verstanden haben. Wir hatten. Also Klamotten ins Auto und los, 5 Minuten zu ihrem Hostel. Anscheinend war noch keiner da, jedenfalls haben sie das Gitter vor der Tür geöffnet und uns rein gelassen. Innen war alles ok; es war tatsächlich bekannt, dass nachts am Bahnhof Touristen auftauchen, die zum Urwald wollen.
Nach ein paar Stunden Schlaf holte man uns am morgen mit einem Minibus ab und brachte uns zur Jetty Station, sprich dorthin, wo die Boote von Kuala Tembeling nach Kuala Tahan fahren. Leider waren alle Boote schon voll, aber unser Fahrer fuhr uns zum selben Preis mit dem Minibus zu dem Dorf. Da wir an der Jetty Station noch kurz warten mussten, hat sich Kristina einen Kaffee to go gekauft; dieser kam allerdings nicht in dem üblichen Pappbecher daher, sondern in der Plastiktüte. Man kennt sie bei uns hauptsächlich aus der Obst und Gemüse Abteilung der Supermärkte, füllt man aber Kaffee anstatt Äpfel hinein und packt oben noch einen Strohhalm drauf, ergibt das einen ansehnlichen und kuriosen Pappecherersatz.
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Angekommen im Dorf (geschätzte Einwohnerzahl: 200) begaben wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft; wir fanden sie etwas abseits des Dorfes (jedes Haus, was weiter als 200 m vom Dorfmittelpunkt entfernt stand, könnte man als abseits bezeichnen) ein sehr idyllisch gelegenes Gasthaus, aber seht selbst:
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Leider erwähnt der Lonely Planet nicht die benachbarte Moschee. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob der Ruf des Muezzin jeden Morgen erklang (sehr wahrscheinlich) oder ich ihn an dem einen oder anderen Morgen nicht gehört habe (eigentlich unwahrscheinlich, aufgrund des großen Lautsprechers, andererseits war ich abends ziemlich platt). Wie dem auch sei, die Abendvorstellung habe ich nie verpasst.
Der Urwald.
Zwei Touren mit Führer haben wir gebucht. Die 1. führte uns in eine Höhle im Urwald. D.h. ab ins Boot, ein paar Minuten den Fluss runter und dann zu Fuß eine halbe Stunde auf Trampelpfaden zur Höhle. Glücklicherweise lag auf dem Weg noch das Dorf einiger Eingeborener, die ihr Mittagessen noch selber jagen (mit großem Blasrohr und Giftpfeil). Unser Führer zeigte uns lustige Pflanzen, deren Blätter je nach Einfallswinkel des Lichts grün bzw. blau schimmern, nützliche Pflanzen, die helfen einen Blutegel zu entfernen (leider haben wir keinen bekommen; es war zu trocken) und Ameisenstraßen.
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An der Höhle “Gua Telinga” angekommen, “bewunderten” wir ein älteres Ehepaar, das gerade aus dieser hinausstieg: durchgeschwitzt und von oben bis unten mit Dreck (so dachten wir zumindest, es sollte sich als etwas anderes herausstellen) eingesaut. Außerdem erzählte ihr Führer von einer etwa 2 m lange Schlange, die neben ihnen von oben in die Höhle gefallen ist, in die wir jetzt reingehen sollten. Hmm. Also los. Die Höhle war kein durchgängiger Tunnel, sondern mehr oder weniger aufeinander liegende Felsbrocken, sodass an manchen Stellen die Sonne durchbrechen konnte (durch so eine Stelle ist auch die Schlange reingefallen), der Großteil war jedoch stockdunkel. Diese Höhle ist außerdem ein äußerst beliebtes Domizil für Fledermäuse. Mehrere Hundert sind dort anzutreffen.
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Hier klärte uns unser Führer dann auch über die Konsistenz des den Höhlenboden bedeckenden matschigen Drecks auf; es handelt sich um nichts anderes als Fledermausscheiße. Bester Dünger. Schön. Besonders schön, da es sich an manchen Passagen einfach nicht vermeiden ließ, seine Hände in eben diesen Dünger zu stecken um heile die Höhle wieder verlassen zu können und manchmal war’s so eng, da mussten dann die Knie bzw. der Hintern dran glauben. Hier dämmerte mir auch, warum die älteren Herrschaften, die vor uns durch die Höhle sind, so verdreckt ausgesehen haben. Aber es ist ja bekannt, dass alles was dreckig macht auch Spaß macht und den hatte ich in der Höhle eine Menge. Es ist ja auch nicht so, dass die Fledermäuse ruhig an der Decke hängen. Nee, nee, die fliegen schon kreuz und quer durch die Gegend. Ich bin zwar mit keiner zusammengestoßen, aber dafür bekommt die Höhle nochmal zwei Abenteuerpunkte. Auch interessant die Stelle an der die Schlange heruntergefallen sein soll, es kristallisierte sich sehr schnell heraus, wer ’schlangophob’ war und wer nicht. Erstere haben vehement für eine kürzere Verweilzeit an besagter Stelle plädiert, die anderen wollten wenigstens einen Blick erhaschen, der uns allerdings vergönnt blieb.
Die 2. Tour war eine sogenannte ‘Nacht-Insekten-Urwaldtour’. Man beginnt an dem Resort am äußersten Zipfel des Regenwalds und geht zuerst zu einem Hochsitz, von dem aus man einen künstlichen Salzsee beobachten kann, der Tiere anlocken soll. Gekommen ist nur irgendwas Wild-artiges (gibt’s Rehe im Urwald?). Teil 2 besteht aus einer 1-stündigen Wanderung in den Wald rein und wieder raus, wobei der Führer versucht möglichst viele Spinnen u.ä. zu entdecken. Unser war auch recht erfolgreich (soweit ich das beurteilen kann), zu sehen gab es einen Skorpion, mehrere Spinnen (ca. die Größe von meiner Handfläche, allerdings keine Taranteln (die gibt’s dort auch); die Proportionen gleichen denen ‘unserer’ Spinnen, bloß größer und bunter:
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Auch sehr eindrucksvoll: Der Sternenhimmel. Man bedenke, im Umkreis von was-weiß-ich-wie-vielen-Kilometern gibt’s keine Stadt, d.h. die Lichtverschmutzung geht gegen null, ich glaube noch nie so viele Sterne auf einmal gesehen zu haben.
Meine dritte Tour in den Urwald führte mich zum sogenannten Canopy Walk. Hier wurden Leitern an dicken Seilen zwischen Bäume gehängt, sodass man durch die Baumspitzen des Urwalds flanieren konnte. Ob flanieren jetzt das richtige Wort ist, sei dahingestellt, auf jeden Fall ist diese “Brücke” sehr flexibel (wackelt ordentlich) und an der schönsten Stelle geht’s 45 m nach unten.
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Mit gesundem Adrenalinspiegel bin ich einen kleinen Berg hinauf gewandert, von dessen Gipfel ich mir eine gute Aussicht versprach. Auch hier enttäuschte mich der Taman Negara nicht, war schwer begeistert.
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Nach drei Nächten erneutes Rucksack packen, es sollte weiter gehen nach Kuala Lumpur. Den Rückweg nach Kuala Tembeling konnten wir diesmal sogar mit dem Boot antreten.
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