4 Leute, 4 Wochen, 4 Länder.
Alles in einem Beitrag dauert mir zulange, deswegen serviere ich Euch diesen Hochgenuss häppchenweise.
Am 1. Februar sind wir in das Flugzeug der China Eastern Airline in Richtung Bangkok eingestiegen. Zuvor haben wir uns natürlich gründlich über alle möglichen Krankheiten informiert, die man in dieser Region so antreffen können. Eine Auswahl: Malaria, Dengue Fieber und einer meiner persönlichen Favoriten: Bilharziose.
So geschockt stiegen wir also ins Flugzeug, nicht ohne uns vorher nochmal vergewissert zu haben, dass der letzte Absturz einer China Eastern Airline Maschine ein Jahr zurückliegt; allerdings sind nur zwei Menschen gestorben, die Chancen standen also gar nicht so schlecht.
Der Flug verlief ohne weitere Probleme, nach Zwischenstopp in Shanghai sind wir sicher in Bangkok gelandet.
Gleich am nächsten Morgen setzten wir unsere Reise in Richtung Kambodscha fort. Unser Ziel war Siem Reap, Heimat der berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat.
Gewarnt von Beiträgen im Lonely Planet und diversen Internetseiten haben wir das Pauschal-Busticket direkt nach Angkor Wat nicht gekauft, sondern haben die einzelnen Etappen selbst in die Hand genommen.
Die 1. Etappe führte uns von Bangkok mit dem Bus in die Grenzstadt Aranya Prathet. Hier aus dem Bus raus, mit dem Túktúk (Autorikscha) zur Grenze und diese dann zu Fuß überquert.

Dort wurden wir auch das 1. Mal mit dem Elend konfrontiert, dass in vielen Teilen Kambodschas noch herrscht, kleine Kinder, zwischen drei und acht Jahren alt, haben um Geld gebettelt. Manche haben im Müll gewühlt. Die auf der kambodschanischen Seite gelegene Stadt Poipet besteht fast ausschließlich aus Hütten, befestigte Straßen kennt man dort nicht.
Nun mussten wir uns ein Visum organisieren; eine nicht ganz leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass ein Beamter hier nur ~20 US$ im Monat verdient.
Nach unseren Informationen kostet ein Visum 20 US$, der Grenz”beamte” forderte jedoch 1000 Baht (ca. 30 US$). Wir beharrten allerdings auf unserem Preis, überzeugt von dessen Korrektheit auch aufgrund eines großen Schildes unter dem unser lieber “Beamte” sich aufhielt, dem ganz klar zu entnehmen war:
Tourist Visa 20 US$.
Nach relativ kurzer Zeit einigten wir uns in der Mitte, die 5 US$ extra, da keiner von uns ein Passfoto dabei hatte.
Seb ist bis heute davon überzeugt, dass dieser “Beamte” gar kein Beamter war, da er keine Uniform trug und auch vor dem Büro stand in dem die Grenzpolizisten dann tatsächlich das Visum ausgestellt haben. Er könnte mit den Polizisten zusammenarbeiten und ihnen einen Teil des erwirtschafteten “Mehrwertes” zukommen lassen; allerdings frage ich mich, warum sie es dann nicht selber machen? Wahrscheinlich verboten. Haha.
Ob wir jetzt einem Betrug aufgesessen sind oder nicht, der Schaden hielt sich stark in Grenzen; andere haben angeblich 100 US$ für ein Visum bezahlt.
Hier sollte jetzt einer der spannendsten Teile unserer Reise auf uns warten. Die Weiterfahrt nach Siem Reap.
Ich hatte zuvor schon ein Zimmer reserviert, der Besitzer hat uns dann ebenfalls vor der direkten Reise von Bangkok aus gewarnt und geraten ein Taxi von der Grenze zu nehmen, der Preis sollte 30 US$ betragen.
Hinter der Grenze wurden wir von einem Shuttlebus zur “Station” (ähnlich eines ZOB plus Taxis) gefahren. Hier wurde uns gesagt, dass eine Fahrt 60 US$ kostet. Dies wollten wir nicht glauben und sind zu Fuß durch die “Stadt” auf der Suche nach einem günstigerem Taxi. So leicht sind diese aber nicht zu erkennen, eine bestimmte Farbe oder Schild auf dem Dach gehört nicht zur Ausstattung.
Nachdem wir 1h herumgeirrt sind, hielt neben uns ein Taxi mit einem Fahrer, den wir schon bei der Station gesehen hatten. Er erläuterte uns noch einmal den erhöhten Preis – angeblich werden die Taxis an der Stadtgrenze nochmal kontrolliert und müssen einen Zettel vorweisen, der nur von der Station ausgehändigt wird – und reduzierte die Gebühr auf 50 US$, da wir weiterhin auf 30 US$ bestanden. Es war mittlerweile schon am dämmern und man möchte nicht länger als unbedingt nötig in diesem Ort verweilen, besonders nicht nachts. Daher sind wir auf sein Angebot eingegangen und die Fahrt konnte beginnen.
Die Straße von Poipet nach Siem Reap (obwohl über sie der Verkehr nach Phnom Penh läuft) entspricht nicht annähernd dem, was man so von deutschen Waldwegen erwartet. Sie war zwar breit, aber nur sehr sporadisch befestigt. Der Großteil bestand aus großen Schlaglöchern und Sand. War ein LKW vor uns, sank die Sichtweite aufgrund der aufgewirbelten Staubwolke auf ‘gerade noch bis zur Stoßstange’.
Die Straße war von allen möglichen Fahrzeugen bevölkert, neben den motorisierten auch Fahrräder, Fußgänger und hin und wieder mal ein Tier. Nicht jeder hatte ein funktionierendes Rücklicht, bei einem LKW der mitten auf unserer Straßenseite stand eine Situation, die uns immer wieder den Atem stocken ließ (Staub und es war dunkel!). Unser Fahrer ließ sich weder von dem Zustand der Straße, noch den Hindernissen abschrecken, er hat das Auto trotzdem auf 80 kmh beschleunigt (wir haben vollen Ernstes das Eintreten eines Achsbruchs in Erwägung gezogen).
Den entscheidenden Kick hat er sich jedoch bei den Überholmanövern geholt. Man muss wissen, in Kambodscha herrscht Rechtsverkehr, die Autos kommen aber (wahrscheinlich) aus Thailand, dort fahren die Autos links. D.h. unser Fahrer saß rechts und musste bei jedem Überholvorgang komplett ausscheren um einen Blick auf den Gegenverkehr erhaschen zu können. Am meisten konnte Seb davon profitieren, er hatte das Glück auf dem Beifahrersitz Platz nehmen zu dürfen.
Wider Erwarten sind wir dennoch heile in Siem Reap angekommen und wurden auch großzügig entlohnt. Die Tempelanlagen sind sehr beeindruckend, schaut Euch einfach die Bilder an.




gutes blog!
nochmal zu meiner theorie; dass es ein abzocker war (visum): wenn wir wirklich 5$ wegen des nicht vorhandenen passbildes gezahlt hätten, woher hätten dann die beamten im zweiten büro überhaupt gewusst, dass wir 25$ statt 20$ gezahlt haben? auf dem visum stand ja nur 20$ und beleg hatten wir auch keinen. sie haben uns einfach so photographiert! ausserdem kann man bei gebühren vom amt nicht verhandeln.
allerdings stimmt es, dass sich der schaden in grenzen gehalten hat. trotzdem war es abzocke. der typ war bestimmt arbeitslos und ist einfach das risiko eingegangen verhaftet zu werden. die polizisten haben einfach sehr ungefährlich geld abgezweigt, weil sie ihn geduldet haben. ihnen konnte halt nichts passieren, da sie im notfall behaupten können nichts mitbekommen zu haben. als ich zum schalter gegangen bin hat mir der idiot übrigens einfach das fenster zugemacht und sich weg gedreht.